Evolution oder Schöpfung:
zwei sich ausschließende Konzepte?

(Evolution or Creation: two mutually exclusive concepts?)

By Eberhard von Kitzing

First presented at the Irfan Colloquia Session #49
Berghotel: Tambach-Dietharz, Germany
July 25–27, 2003
(see list of papers from #49)

published in Beitríäge des 'Irfán-Kolloquiums, volume 1, pages 179-202
under new title
"Evolution oder Schöpfung — zwei sich ausschließende Konzepte?"
© 2004, ‘Irfán Colloquia


    Zur Person:
    Studium der Physik und Chemie in Hannover und Göttingen, Dissertation in präbiotischer Evolution, Forschungsarbeiten an der DNS-Struktur, und an biologischen Ionenkanälen. Zur Zeit Systemarchitekt in einer jungen Startup-Softwarefirma in der Nähe von Heidelberg.


    Zum Vortrag:
    Die von Darwin und Wallace mitte des 19. Jahrhunderts vorgeschlagene Evolutionstheorie gilt heute als einer der Grundpfeiler der modernen Biologie. Besonders die Molekularbiologie liefert derart viele Argumente für diese Lehre, dass Wissenschaftler sie weitgehend als gut bewährt betrachten. Gegner dieser Theorie werden bei wohlwollender Betrachtung bestenfalls als realitätsferne Schwärmer abgetan.

    Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde das Thema Evolution, insbesondere ihre ethischen, sozialen und philosophischen Konsequenzen, erhitzt in Europa, aber auch im Nahen Osten diskutiert. `Abdu'l-Bahá Selbst hat zum Thema ausführlich Stellung bezogen. Seine Briefe und protokollierten Ansprachen weisen Ihn als Kenner der damaligen Positionen aus. Bei einer Analyse Seiner Aussagen fallen besonders zwei Punkte auf, in denen Er sich grundlegend von den Thesen der modernen Evolutionsbiologen unterscheidet. Nach `Abdu'l-Bahá wurde die Welt von Gott geschaffen, d.h., die Komplexität dieser Welt gilt als von vornherein angelegt. Im Gegensatz dazu behaupten Autoren wie Dawkins, dass sich das Leben von Selbst vom Einfachen zum Komplexen hin entwickelt. Die einzige Triebkraft dieser Entwicklung sei der blinde Mechanismus von Mutation und Selektion. Für `Abdu'l-Bahá existieren die Arten ewig und wandeln sich nicht. Im Gegensatz dazu behaupten moderne Evolutionsbiologen, dass die Arten entstehen, sich verändern und entwickeln.

    Als Bahá'i müssen wir diesen Widerspruch vor allem deshalb ernst nehmen, weil sich die Bahá'i-Schriften ausdrücklich die Einheit von Glaube und Vernunft, von Religion und Wissenschaft auf die Fahnen schreiben. Sollte sich dieser Widerspruch als unauflöslich erweisen, so würde er die Glaubwürdigkeit des Anspruchs Bahá'u'llahs untergraben. Wie könnten wir Bahá'i aufrichtigen Herzens von der Unfehlbarkeit Seiner Worte reden, wenn sie im Widerspruch zur offensichtlichen Wirklichkeit stehen?

    Das Ziel dieses Aufsatzes ist es zu zeigen, dass es sich bei dem Problem der konstanten oder variablen Arten in erster Linie um unterschiedliche Definitionen handelt. Diese verschiedenen
    Sichtweisen sind durch gegensätzliche Weltanschauungen bedingt. Wenn sich die Welt aus dem Einfachen entwickelt und zunehmend komplexer wird, dann sollte es möglich sein, die Quellen oder Ursachen der Komplexität auszumachen. Der Aufsatz belegt, dass es solche Quellen in den gängigen Theorien nicht gibt, dass mögliche Komplexität immer vorausgesetzt wird. Der Aufsatz kommt zum Schluss, dass die Aussagen der Bahá'i-Schriften über Evolution und Schöpfung mit denen der modernen Wissenschaft verträglich sind. Darüber hinaus integriert `Abdu'l-Bahá die modernen Erkenntnisse in ein positives, geistiges Weltbild.

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