Baghdad-Periode aus historischer Sicht:
Welche politische und soziale. Entwicklungen gab es im Osmanischen Reich wahrend dieser Periode?

(The Baghdad period from a historical perspective: What political and social developments took place in the Ottoman Empire during this period?)

By Necati Alkan

First presented at the Irfan Colloquia Session #49
Berghotel: Tambach-Dietharz, Germany
July 25–27, 2003
(see list of papers from #49)

published in Beitríäge des 'Irfán-Kolloquiums, volume 1, pages 75-92
under new title
"Sozio-politische und religiöse Entwicklungen im osmanischen Irak des 19. Jahrhunderts"
© 2004, ‘Irfán Colloquia


    Zur Person:
    Necati Alkan studierte Arabischer Philologie, Islamwissenchaften und Geschichte. Derzeit beendet er seine Dissertation ueber die Babis und Bahá'is im Osmanischen Reich gemäß osmanisch-tuerkischer Quellen, zur Erlangung des Grades Dr. phil. In Geschichte. Sein Spezialgebiet ist spätosmanische Geschichte (19.-20. Jh.). Seine Interessen in Bahá'i-Studien sind vor allem die Entwicklung der Bahá'i-Religion im Osmanischen Reich und in der Tuerkei.

    Zum Vortrag:
    In dieser Präsentation handelt es sich um die sozialen und politischen Entwicklungen in der osmanischen Provinz Irak des 19. Jahrhunderts, welches Schauplatz für Entwicklungen in der Babi- und Bahá'i-Religion war. Von zentraler Bedeutung sind hier die Reaktionen seitens der säkularen und religiösen Kräfte sowohl im Iran, als auch im Osmanischen Reich im Rahmen der Entwicklungen während der osmanischen Tanzimat ("Reform-Periode," 1839-1876) und der post-Tanzimat-Periode, gegenüber religiösen Miderheiten wie die der Schiiten und Babis-Bahá'is. Trotz der Atmosphäre der relativ religiösen Toleranz in Istanbul seit den 1840er Jahren, war die Situation im Irak problematisch. Ab 1831 versuchten die Osmanen ihre Macht im dort wiederherzustellen und zu zentralisieren, um so die Herrschaft der Mamluken zu ersetzen, welche seit Mitte des 18. Jahrhunderts lokale Autonomie genossen. Als der konservative Necib Pasha, "der Georgier," 1842 zum Statthalter dieser Provinz ernannt wurde und sich mit starker Hand aufmachte die osmanische Herrschaft wieder zu festigen, war er auch bekannt für seine Feindschaft gegenüber religiösen Minderheiten, besonders dem schiitischen Islam. Er beschloss, die iranische Beeinflussung zu beenden und Karbala- eine reichlich mit Persern bevölkerte und von "gesetzlosen arabischen Vagabunden" regierte Stadt- wieder zu einer osmanischen Hochburg zu machen und sie dem Sultan zu unterwerfen. Nach blutigen Auseinandersetzungen mit lokalen Stämmen und Banden, eroberten die Osmanen Karbala im Januar 1843 und festigten ihre Präsenz. Ein anderer Aspekt, der zum iranisch-osmanischen Konflikt beitrug, war der Eifer der schiitischen 'ulama im Irak, so viele Stämme wie möglich und osmanische Notabeln und Soldaten zum Schia-Islam zu konvertieren. Auch verschlechterten die verstärkten messianischen Erwartungen im Irak am Vorabend der tausend Jahre seit der "grossen Verborgenheit" des Imam Mahdi (1844/1260) die iranisch-osmanische Krise. Necib Pa ha wurde von den Schiiten als "Yazid," der verhasste umayyadische Kalif stigmatisiert, der den Tod des Imam Husayn veranlasst hatte. Schiitische Dichter flehten den Verborgenen Imam an zurückzukehren und sie vom osmanischen Joch zu befreien. Diese "moderne Karbala-Tragödie" wurde von vielen Schiiten als folgenschweres Ereignis gesehen, welches die erwartete Rückkehr des Imam Mahdi beschleunigte. Offensichtlich erleichterten diese Umstände die Ansprüche der Babis innerhalb der messianischen Shaykhi-Schule. Die Babi-Religion mit ihren Wurzeln in der Shaykhiyya war eine Bedrohung für osmanische Offizielle, die durch Konversionen zum Schia-Islam traumatisiert waren. Um weitere Rebellionen seitens Häretiker zu vermeiden, bemühten sich die Osmanen andererseits, die Schiiten und andere Minderheiten zum sunnitischen Islam zu bekehren.

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