Die Bahá'i-Religion als ein Phänomen der Moderne:
Was verbindet die Bahá'i-Offenbarung mit der deutschen Philosophie und der neuzeitlichen Geistesgeschichte?

(The Baha'i Faith as a phenomenon of modernity: What connects the Bahá'í Revelation with German philosophy and the modern intellectual history?)

By Farah Dustdar

First presented at the Irfan Colloquia Session #49
Berghotel: Tambach-Dietharz, Germany
July 25–27, 2003
(see list of papers from #49)

published in Beitríäge des 'Irfán-Kolloquiums, volume 1, pages 155-178
under new title
"Die Bahá'í-Religion und der philosophische Diskurs der Moderne — Was verbindet die Bahá'í-Offenbarung mit der deutschen Aufklärung und dem Idealismus?"
© 2004, ‘Irfán Colloquia


    Zur Person:
    Sie ist im Iran, lebt seit 1967 in Europa. Das Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität Trier. Promoviert in Politikwissenschaft. Die speziellen Forschungsgebiete: Politische Ethik, Frauenforschung Demokratieforschung, Kant-Forschung. Dabei orientiert sie sich an den Bahá'í­-Schriften. Die Veröffentlichungen: "Die Frau und der Weltfrieden. Ansätze einer gewaltfreien Gesellschaft", Wien 1986;. "Abschied von der Macht. Demokratie und Verantwortung", Frankfurt/M 1996; "Vom Mikropluralismus zu einem makropluralistischen Politikmodel. Kants wertgebundener Liberalismus", Berlin 2000; "Kant und die politische Kultur der Berliner Aufklärung", in: Volker Gerhardt/Rolf-Peter Horstmann/Ralf Schumacher, "Kant und die Berliner Aufklärung", Akten des IX. Internationalen Kant-Kongresses, Berlin 2001; Frauenpolitik. Die Herausforderung einer Kultur des Friedens", Hofheim 2002; "Moralische Fundierung der freiheitlichen Ordnung. Bahá'í­-Religion und die grundlegenden Fragen der neuzeitlichen Geistesgeschichte", in der Bearbeitung.

    Zum Vortrag:

    Die Bahá'í­-Religion ist zwar durch die islamische Kultur stark geprägt, ihre Prinzipien liefern aber geistig-moralische Fundamente einer freiheitlichen und globalen Ordnung. Bahá'u'lláh erklärt seine Offenbarung als die göttliche Führung für eine mündige Menschheit. Nach ihrem Selbstverständnis ist dieser junge Glaube eine Religion der Aufklärung und trägt den neuzeitlichen Forderungen nach Freiheit und Rechtsgleichheit aller Menschen Rechnung. Deshalb soll sie als eine Antwort auf die Herausforderungen des modernen Zeitalters ernst genommen werden.

    Aus der Perspektive der deutschen Geistesgeschichte nimmt die Bahá'í­-Religion Stellung zu den Themen, welche im Kreise des deutschen Bildungsbürgertums besonders in der Zeitspanne zwischen dem Ende des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts im Mittelpunkt des Interesses standen. In dieser Periode versuchen viele Denker und Dichter in Deutschland bewusst einen Damm gegen den Einfluss der materialistischen Weltanschauung und ihr mechanistisches Menschenbild zu bauen. Der Vortrag beschäftigt sich mit zwei bedeutenden Strömungen dieser Periode: der Philosophie der deutschen Aufklärung und dem Idealismus.

    Das Bemühen der Idealisten, die mangelnde Funktion der Religion zu erfüllen, scheitert im 19. Jahrhundert auf eine tragische Weise. Der Idealismus mündet in Pessimismus, soziale Spaltung und Nihilismus. Damit wird der Dammbruch und der Triumph des Materialismus auch in Deutschland besiegelt. Der Vortrag versucht die verbindenden Elemente der neuzeitlichen deutschen Geistesgeschichte und des Bahá'í­-Glaubens heraus zu arbeiten und die folgenden Fragen zu beantworten: Welche sind die fundamentalen Fragen des deutschen Geistesgeschichte in der Zeitspanne zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert? Wie beantworten die Aufklärer und die Idealisten die neuzeitlichen Fragen? Warum scheitert der Idealismus im Kampf gegen die materialistische Philosophie? Welche parallelen Ideen findet man in den Bahá'í­-Schriften?

this paper is not yet online